babababy Rang 11
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Alter: 47 Anmeldedatum: 27.03.2004 Beiträge: 6261 Wohnort oder Bundesland: CH-Uri
Hunde der User: Baba Nacré (Nagi)
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Verfasst am: 29.4.2005, 08:12 Titel: aus der Tierwelt |
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Bitte mehr Rücksichtnahme
Ob Freizeitgeniesser mit dem Bike, den Skates, dem Motorrad oder den Joggerschuhen unterwegs sind: Leider kommt es immer wieder zu Konfrontationen zwischen Sportlern und Hundehaltern, die bei gegenseitiger Rücksichtnahme verhindert werden könnten. Doch auch gewisse Hundehalter müssen umdenken, wollen sie sich nicht noch unbeliebter machen. Hundefachfrau Gabi Schulthess appelliert deshalb an alle Strassen- und Wegbenutzer.
«Ich war mit einem jungen, noch etwas unerfahrenen Pferd unterwegs. Die Strasse war so schmal, dass zwei Autos nicht aneinander vorbeikommen. Ich hörte ein Auto, das sich uns näherte. In der Annahme, dass der Fahrer sein Tempo drosseln würde, lenkte ich mein Pferd an den Strassenrand um Platz zu machen. Der Wagen fuhr in vollem Tempo mit schepperndem Anhänger an uns vorbei. Mein Pferd sprang erschrocken auf die angrenzende Wiese und war nur schwer wieder zu beruhigen. Von der Rücksichtslosigkeit des Fahrers wurde ich völlig überrascht. Pferde sind Fluchttiere, und wenn aus ihrer Sicht Gefahr droht, kann dies eine Fluchtreaktion auslösen - Und diese kann verheerende Folgen haben», erzählt Gabi Schulthess von einem alltäglichen Vorfall. «Ein anderes Mal führten wir unsere Ponys spazieren. Mein Mann führte das noch unerfahrene und unsere Tochter ritt auf meinem Führpony, eine weitere Person mit zwei Hunden begleitete uns. Plötzlich waren da zwei Jogger, die lautlos von hinten auf der rechten Seite der Ponys, keinen halben Meter weg, überholten. Das unerfahrene Pony erschrak und tänzelte ein paar Schritte schräg in den Weg. Die Jogger hätten verletzt, mein Kind hätte vom Pony fallen können», ärgert sich Gabi Schulthess über solche Situationen, die einfach hätten vermieden werden können.
Zeit, um reagieren zu können
Für Tierhalter, aber auch für alle anderen Fussgänger ist es enorm wichtig, dass man ihnen genügend Zeit zum Reagieren gibt; so bringt Gabi Schulthess die Problematik auf den Punkt. Sie weiss, wovon sie spricht, hat sie doch täglich mit Tieren zu tun. Sie züchtet Otterhounds, besitzt drei Vertreterinnen dieser Rasse und setzt diese bei der Suche nach vermissten Tieren ein. Als Hundeinstruktorin Certodog leitet sie Welpengruppen, gibt Clicker-Trainings und bietet Lernspaziergänge an. Daneben arbeitet sie als Teilzeitangestellte in einer Tierklinik: «Tiere sind mein Leben! Und genau so lebe ich für meine Tochter und die anderen Mitmenschen. Ist es denn so schwierig, aufeinander Rücksicht zu nehmen? Wenn jeder nicht nur an sich selbst denken würde, wäre das Problem bereits gelöst. Da Jogger, Biker oder Skater sich lautlos zu nähern pflegen, wäre es doch nicht zu viel verlangt, dass sie sich mit Rufen bemerkbar machen. Das gäbe den Tierhaltern Zeit, sich auf die Situation vorzubereiten. Da sausen Velos den Hang hinunter. Was, wenn der Hund genau in diesem Moment den Feldwegrand wechselt, weil es gegenüber interessant gerochen hat? Oder der Spaziergänger sieht eine Blume, die er näher betrachten möchte, und überquert dazu den Weg? Auf meinen Lernspaziergängen ist es schon passiert, dass ein Hund in eine Übung vertieft war. Da kam ein Jogger, der Hundebesitzer erschrak, worauf der Hund in die Leine sprang und den Jogger verbellte. Dieser wiederum erschrak darob und schimpfte verständlicherweise fürchterlich. Häufig reagieren Tiere unerwünscht, weil sich der Besitzer erschrocken hat. Ein einfaches «Hallo» hätte gereicht, und der Hund hätte nicht weiter reagiert. Es ist immer am besten, sich verbal bemerkbar zu machen, denn menschliche Stimmen sind dem Tier vertraut. Schon starkes Atmen und Schnaufen oder lautes Auftreten und Stampfen können einen Vierbeiner unter Umständen irritieren.»
Doch sind es nicht nur Autofahrer und Freizeitsportler, die sich gedankenlos benehmen. Auch Hundehalter sollten sich vermehrt den Wünschen anderer Hundehalter anpassen. Das Signal sollte eigentlich eindeutig sein, wenn der entgegenkommende Hundehalter sein Tier an der Leine führt! Dieser hat bestimmt einen Grund, weshalb er das tut. Vielleicht ist die Hündin läufig oder hat Zwingerhusten, der sehr ansteckend sein kann; oder er verträgt sich nicht mit Artgenossen.
Gilt auch für Hundehalter!
«Ich habe eine Kursteilnehmerin mit Angst vor Hunden - ihren eigenen natürlich ausgeschlossen! Deshalb nimmt sie ihren Hund an die Leine, sobald ein fremder in die Nähe kommt. Das muss einfach res-pektiert werden, denn sie arbeitet ja daran, diese Angst in den Griff zu bekommen! Da nützt es überhaupt nichts, wenn der andere ruft <Mein Hund macht nichts>! Wenn ich meine drei Hündinnen angeleint hatte, war meine Antwort auf diesen blöden Spruch auch schon <Aber meine!>», erzählt Gabi Schulthess und sie betont, dass es absolut keinen Sinn habe, sich auf irgendwelche Diskussionen einzulassen. Allzu rasch ist ein Streitgespräch im Gange, das die Lage nur verschärft. Kreuzen sich angeleinte Hunde, sind diese stets so zu führen, dass sich die Halter direkt kreuzen, die Hunde laufen also aussen. Der Hund sollte generell objektabgewandt geführt werden!
Hundegruppen bitte abrufen!
«Als ich kürzlich mit meinen drei angeleinten Hündinnen unterwegs war, kam mir die Gruppe einer Hundeschule entgegen. Etwa 10 Hunde liefen fröhlich voraus, die Halter plauderten miteinander und beachteten mich nicht. Laut rief ich ihnen zu, ihre Hunde doch bitte abzurufen. Das hat bestens geklappt, alle Hunde liefen zu ihren Haltern. Das war ein positives Erlebnis. Noch besser wäre, die Halter hätten vorausgeschaut und ihre Tiere abgerufen bevor ich sie darum bitten musste. Kommt dazu, dass dies doch eine tolle Gehorsamsübung ist!», berichtet sie über ihre Beobachtungen.
Alle sollten positiv auffallen!
«Mehrere Hunde des gleichen Haushaltes bilden ein Rudel, das schwieriger kontrollierbar ist als ein einzelner Hund. Deshalb ist es gut, wenn mindestens einer der Hunde nahe beim Chef laufen muss. Sieht man einen Jogger oder Biker sich von vorne nähern, können die Hunde auch auf Distanz ins Platz gerufen werden. Eine schwierige Übung, aber je positiver wir Hundehalter auffallen, desto einfacher wirds für alle. Aber nicht nur wir sollten daran arbeiten - auch Jogger, Biker, Skater oder Autofahrer sollten sich endlich bewusst werden, welches Sicherheitsrisiko eine unterlassene Vorwarnung ihrerseits bedeuten kann!»
Christine Naef
Gabi Schulthess' Tipps
- Tempo reduzieren.
- Genügend Abstand halten.
- Sich frühzeitig verbal melden.
- Auf der Seite des Tierführers kreuzen.
- Dem Tierhalter die Chance geben, seinen Vierbeiner unter Kontrolle zu bringen.
- Den Hund so trainieren, dass er sich links und rechts führen lässt.
- Der Tierbesitzer soll sich zwischen dem Objekt und seinem Hund positionieren.
- Eltern sollen ihre Kinder lehren, sich in normalem Tempo und nicht frontal einem Tier zu nähern. Halter fragen, wenn der Hund gestreichelt werden möchte.
Tierwelt, Nr. 17, 2005 _________________ Warum kann ich keine Beiträge schreiben? | Netiquette | Forums-Regeln
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